Es gilt als die Anti-Falten-Therapie schlechthin. Und immer häufiger wird heute auch zur Vorbeugung gespritzt. Aber Vorsicht: Das Nervengift gehört in die Hände eines Facharztes!
von Helene Aecherli
Heute schon gebotoxt? Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem nicht eine Vertreterin der Prominenz verkündet, dass es für sie zur Schönheitspflege gehört, ihre Mimikfalten mit Botox unsichtbar zu machen.
Und was für berühmte Menschen gilt, setzt sich auch bei Normalsterblichen immer stärker durch: In den USA haben Botox-Injektionen in den letzten sechs Jahren um 450 Prozent zugenommen, in der Schweiz sollen die Zuwachsraten fast ebenso hoch sein, die Tendenz ist weltweit steigend. Und das ist kein Wunder.
Das Botulinum Toxin, so die volle Bezeichnung für Botox, gilt heute als das effizienteste Mittel, um Mimikfalten zu glätten, allen voran Zornesfalten, Krähenfüsse (Lachfalten) oder «Häschenfalten» um die Nase.
Es lassen sich durch gezielte Spritzen aber auch Augenbrauen sanft anheben und Halsfalten ebnen.
«Das Botulinum Toxin blokkiert die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel, wodurch er sich nicht mehr wie gewohnt zusammenziehen kann», erklärt Veith Moser, Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Universitätsspital Zürich.
«Das bedeutet aber nicht, dass man mit einer Injektion auch jegliches Gefühl für den Muskel verliert.
Botox wirkt sich nur auf die Bewegungs-, nicht auf die Empfindungsfähigkeit aus.»
Eine Woche bis zehn Tage dauert es, bis sich die Wirkung einer Botox-Injektion voll entfaltet hat.
Nach rund drei Monaten melden sich die Falten jedoch zurück, denn dann haben sich die blockierten Nerven-Enden neu formiert – was auch den Muskel wieder aktiviert.
Der Vorteil davon ist, dass ungewollte Folgen nicht ewig anhalten.
Der Nachteil, dass relative Faltenfreiheit nur mit vierteljährlichem Nachspritzen aufrechterhalten werden kann.
Lohnt sich unter diesen Umständen die Botox-Therapie überhaupt?
«Das muss natürlich jede Patientin selber entscheiden», sagt Shirin Milani, Leiterin der Botox-Sprechstunde am Universitätsspital Zürich.
«Grundsätzlich empfehlen wir, die Therapie dann zu beginnen, wenn sich die Mimikfalten im entspannten Zustand nicht mehr zurückbilden.
Sonst werden sie mit den Jahren immer tiefer und dadurch auch schwieriger zu behandeln.»
So machen Botox-Injektionen weniger Sinn, wenn die Falten sehr tief oder sehr zahlreich sind. «Viele Frauen und auch Männer benötigen in diesen Fällen eher ein Facelifting oder eine Behandlung mit sogenannten Fillern, wie zum Beispiel mit Hyaluronsäure», erklärt Milani.
Deshalb läuft der Trend heute dahin hinaus, die Therapie anzugehen, wenn sich noch gar keine Falten gebildet haben.
Erste Studien belegen, dass eine frühzeitige Botox-Intervention die Faltenbildung und den Hautalterungsprozess tatsächlich verzögern kann. «Botox wird somit zu einer lebenslänglichen Therapie», so Shirin Milani.
Nebenwirkungen – ausser roten Flecken nach den Injektionen, die aber nach zehn Minuten wieder verblassen – oder Langzeitschäden sind bis anhin keine bekannt. Das bedeutet jedoch nicht, dass man hemmungslos drauflos spritzen lassen sollte.
Obwohl die Botox-Therapie zu einer mehr oder weniger alltäglichen kosmetischen Behandlung geworden ist, gehört sie in die Hände von Plastischen Chirurgen oder spezialisierten Dermatologen.
Denn ein optimales Resultat gelingt nur, wenn das Toxin an den richtigen Stellen injiziert wird – und das ist bei 26 Gesichtsmuskeln nicht immer ganz einfach.
Trifft der Arzt den Punkt nicht, können die Gesichtszüge asymmetrisch werden; wird zuviel Botox verabreicht, droht das Konterfei maskenhaft zu werden. «Unser Ziel ist», sagt Shirin Milani, «dass unsere Patientinnen und Patienten nach der Behandlung ganz einfach frischer, freundlicher und jünger aussehen.»


