Therapie der Hyperhidrose mit Botulinum Toxin A - Plastisch-Ästhetische Chirurgie - Moser Milani

Therapie der Hyperhidrose mit Botulinum Toxin A

Die Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen) tritt am häufigsten an Handflächen, Fußsohlen und/oder Achselhöhlen auf, beginnt oft schon im Kindes-und Jugendalter und kommt nicht selten familiär gehäuft vor.

 

von Dr. Veith Moser

 

Schwitzen ist eine normale Funktion des Körpers zur Steuerung des Wärmehaushalts.

 

Der Mensch besitzt etwa 2 Millionen Schweißdrüsen, die mit sehr hoher Dichte an den Handflächen, Fußsohlen und in der Achselhöhle vorkommen.

 

Sie liegen in der untersten Schicht der Lederhaut, im Unterhautfettgewebe und werden über das sympathische Nervensystem mit Acetylcholin als Neurotransmitter durch Nervenimpulse gesteuert.

 

Bei Hyperhidrose kommt es ohne körperliche Anstrengung, also auch in Ruhe, bei den Betroffenen zu unkontrollierbaren Schweißausbrüchen.

 

Dies führt zu erheblichen psychosozialen Problemen bis hin zur sozialen Isolation und gegebenenfalls auch zu arbeitsmedizinisch oder arbeitstechnisch relevanten Einschränkungen.

 

Des Weiteren kann es in den betroffenen Körperregionen häufiger zu Infektionen der Haut durch Bakterien, Pilze und Viren kommen.

 

 

Hyperhidrose – ein soziales Handicap

 

Eine weitere Störung der Schweißdrüsenfunktion stellt die Bromhidrose dar, die Produktion von äußerst übel riechendem Schweiß.

 

Dieses Syndrom durchdringt jeden Lebensaspekt der Betroffenen: Schule, Arbeit, Freundschaft, Liebesleben, Familie und soziale Aktivitäten.

 

Die Lebensqualität Betroffener wird ganz erheblich eingeschränkt. Botulinum Toxin A kann bei dieser Störung zu einer massiven Verbesserung der Lebensqualität führen.

 

Auch im Falle von normaler, aber störender Schweißmengenproduktion, wie zum Beispiel bei körperlich aktiven Berufen (Masseur, Physiotherapeut, etc.) oder bei Hitze kann die Schweißproduktion mit Botulinum Toxin A gehemmt werden.

 

Bei einer vermehrten Schweißproduktion muss zunächst eine körperliche Ursache des Leidens ausgeschlossen werden, z.B. Schilddrüsenfehlfunktionen, Adipositas oder Dia betes mellitus.

 

Ebenso können gewisse Medikamente (z.B. Psychopharmaka) oder Nahrungsmittel und Gewürze (z.B. Zimt, Chili, Zwiebel, Kaffee) ein verstärktes Schwitzen erzeugen.

 

Die Abklärung diesbezüglich kann vom Hausarzt, Dermatologen oder bei Verdachtsdiagnose vom Endokrinologen durchgeführt werden.

 

MARE Primäre etablierte Therapiemöglichkeiten MARE sind medikamentöse Behandlungen mit Anticholinergika, die lokale Applikation von Aluminiumchlorid und die Leitungswasser-Iontophorese an Händen und Füßen.

 

Diese konservativen bzw. medikamentösen Möglichkeiten stellen oft keine praktikable Alternative dar, da sie zeitaufwändig, nicht sehr zuverlässig und mit Nebenwirkungen behaftet sind (z.B. Mundtrockenheit bei Anticholinergika).

 

 

Eine erfolgreiche Botulinum Toxin A-Behandlung schließt psychisch bedingtes Schwitzen aus, und, um nicht jahrelange Injektionen vornehmen zu müssen, kann den Betroffenen die operative Entfernung der Schweißdrüsen (Saugkürettage) angeboten werden.

 

Dieses Verfahren kann nur in den Achselhöhlen angewandt werden.

 

Das Ziel dieser Behandlung ist die Normalisierung des Schwitzens, doch nur sehr selten sind die Patienten nach der Behandlung vollkommen beschwerdefrei.

 

Die Erfolgsrate und somit die Patientenzufriedenheit liegt in klinischen Studien bei 70 bis 80%.

 

Der Vorteil des operativen Verfahrens ist der dauerhafte Erfolg ohne regelmäßige Folgeinjektionen.

 

Als aggressive chirurgische Maßnahme können in äußerst therapieresistenten und sehr ausgeprägten Fällen die thorakoskopische Symphathektomie (Grenzstrangverödung im Rahmen einer Brustraumspiegelung) oder auch die völlige Entfernung der Schweißdrüsen-tragenden Haut (Hautresektion) im Achselhöhlenbereich durchgeführt werden.

 

Die Hautresektion ist eine Maßnahme, die den therapieresistenten Fällen vorbehalten sein soll, da die Narben in der Achselhöhle sowohl zu funktionellen Problemen führen können als auch ästhetisch unbefriedigend ausheilen.

 

 

Die neueste Therapie der Hyperhidrose ist die intrakutane Injektion von Botulinum Toxin Typ A (z.B. Botox®, Dysport®, Vistabel®)

 

Botulinum Toxin Typ A blockiert die Erregungsüberleitung an die Schweiß drüsen und führt dadurch zu einem Sistieren der Schweißproduktion.

 

Botulinum Toxin A wird seit etwa 30 Jahren erfolgreich bei diversen Krankheitsbildern eingesetzt (Spastizitäten, Schiefhals, vermehrte Speichelproduktion, Kopfschmerz/Migräne, besondere Arten des Schielens, bestimmte Arten von Zungenbewegungsstörungen, Stimmbanderkrankungen, Harnblasen-und Speiseröhrenentleerungsstörungen).

 

Bekannt wurde Botulinum Toxin A in den letzen Jahren vor allem durch die Anwendung bei der Faltenbehandlung im Gesicht, bei der die Falten verursachenden Muskeln teilweise gelähmt werden.

 

Vor einer Behandlung mit Botulinum Toxin A wird das hyperhidrotische Areal mit dem Jod-Stärke-Test gekennzeichnet.

 

Als Gesamtdosis pro Achselhöhle werden 50 Einheiten Botulinum Toxin A verabreicht und auf ca. 20 Injektionspunkte verteilt.

 

Die Injektion erfolgt streng intrakutan, wodurch die Behandlung im Bereich der Achselhöhle schmerzarm ist, da die sensiblen Nervenendigungen etwas tiefer liegen.

 

Mit einem langsamen Wirkbeginn ist um den fünften Tag nach der Injektion zu rechnen; die volle Wirkung entfaltet sich bis etwa zwei Wochen nach der Behandlung.

 

Die Blockierung der Erregungsüberleitung wird durch nachsprossende Nervenendigungen aufgehoben, ein Prozess der nach etwa drei Monaten einsetzt.

 

Die Wirkdauer der Behandlung liegt zwischen sechs und acht Monaten, vereinzelt profitieren Patienten aber auch bis zu zwölf Monaten oder länger von der Behandlung, die beliebig oft wiederholt werden kann.

 

Nebenwirkungen können oberflächliche Blutergussverfärbungen im Injektionsgebiet sein.

 

Da die Injektionen an Händen und Füßen sehr schmerzhaft sind, erfolgen sie mit örtlicher Betäubung. Obwohl sehr oberflächlich injiziert wird, können sowohl die Feinmotorik als auch die Grobkraft der Hand beeinträchtigt sein.

 

Als Nebenwirkungen kommt es meist zu übermäßig trockenen Handflächen, deshalb muss vermehrt Feuchtigkeitscreme verwendet werden.

 

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Injektion von Botulinum Toxin A zur Behandlung der primären Hyperhidrose ein etabliertes Therapieverfahren mit sehr selten auftretenden Komplikationen oder Nebenwirkungen darstellt.

 

Allerdings mit dem Nachteil, dass die Injektionen wiederholt werden müssen.
Bei Hyperhidrose kommt es ohne jegliche körperliche Anstrengung, also auch in Ruhe, bei den Betroffenen oft zu unkontrollierbaren Schweißausbrüchen.
Dies führt bei diese Patienten zu erheblichen psychosozialen Problemen bis hin zur sozialen Isolation und gegebenenfalls auch zu arbeitsmedizinisch oder arbeitstechnisch relevanten Einschränkungen.