Leidensdruck. Sahja Abu Hadead (11) erlitt schwerste Verbrennung und muss dringend operiert werden. Zwei plastische Chirurgen wollen dem Mädchen aus Gaza in Wien helfen.
die medizinische Versorgung im Gaza-Streifen ist verheerend“, sagt Veith Moser (37). Der plastische Chirurg weiß, wovon er spricht. Er gehört einem Ärzteteam des Universitätsspitals Zürich an, das in den letzten Jahre acht Mal vor Ort war, um den Ärmsten der Armen zu helfen.
Das Küstengebiet am östlichen Mittelmeer zwischen Israel, Ägypten und Gaza-Stadt verfügt wegen der steten politischen Unruhen zwischen Palästinensern und Israelis über keine intakte Infrastruktur. Grenzblockaden machen zudem eine regelmäßige Grundversorgung jedweder Art, egal, ob Nahrungsmittel oder Medikamente, unmöglich. „Unser Team hatte zuletzt vier Tage kein Trinkwasser. Für die 1, 7 Millionen Menschen in Gazam ist das normal.“ Im – im wörtlichen Sinne – lebensnotwendigen medizinischen Bereich mangelt es an allem.
„Die Ausstattung der Operationssäle ist größtenteils katastrophal: Kein adäquates OP-Licht, keine ausreichende Technik und zu wenig Spezialisten wie zum Beispiel plastische Chirurgen oder Orthopäden“, so Moser. „Die Sterilität während Operationen ist unter diesen Umständen oft nicht gewährleistet, sodass nach einem Eingriff Infektionen oder Wundheilungsstörungen nicht selten eintreten.“ Genau davor soll Sahja Abu Hadaed aus Gaza bewahrt werden.
Professionelle Hilfe
Die Elfjährige goss sich vor einigen Jahren siedend heißes Kochöl über den Körper und zog sich dabei schwere Verbrühungen zu. Sahja ist eine von Tausenden, die dringend professioneller Hilfe bedürfen und keine erhalten.
„Die Menschen in Gaza haben kein Geld, keine Arbeit und leben in halbzerbombten Häusern, auf kleinstem Raum miteinander. Vor allem Kleinkinder wie Sahja ziehen sich oft Verbrühungen oder Verbrennungen zu, weil sie sich in der Nähe von Herden oder offenen Feuerstellen aufhalten und nach Töpfen mit heißem Wasser, Tee oder Öl greifen.“
Da die nächste Mission des Ärzteteams erst für das Frühjahr 2012 anberaumt ist und „der körperliche wieseelische Leidensdruck des Mädchens immer größer wird“, wollen die plastischen Chirurgen Shirin Milani und Veith Moser ihr alsbald und in Wien helfen.
„Das Problem ist, dass Sahja zwar gewachsen ist, die Länge der Narben aber unverändert blieb. Das hat zur Folge, dass sich Narbenkontrakturen entwickelten und Sahja den Mund nicht mehr richtig schließen kann und sich zudem der Hals verzieht. Wenn die Patientin nicht bald operiert wird, sind gravierende Folgeschäden unausweichlich,es kann sogar zu Knochenverrenkungen im Kiefer- und Wirbelbereich kommen“, erklärt Moser.
Um den Eingriff in Wien vornehmen zu können, sind sowohl Sahjas Familie als auch das Ärzte-Duo auf fremde Hilfe angewiesen, denn: Die Entfernung des Narbengewebes im Gesichts-, Hals- und Rumpfbereich, die darauf folgende Hautverpflanzung sowie der kontrollierte Heilungsverlauf kosten Geld.
Obwohl die Ärzte gratis operieren, die Austrian Airlines zwei gratis Flüge für Sajha und ihren Vater zur Verfügung stellen, das Wiener Privatspital Rudolfinerhaus nur die Hälfte des Krankenzimmers mit einer Schlafmöglichkeit für den Vater in Rechnung stellt und das NH-Hotel die Kosten für die Übernachtungen eines Dolmetschers übernimmt, bedarf es zusätzlicher Geldspenden. Hierfür haben die Ärzte von einem Notar ein Spendenkonto eröffnen lassen, der dieses auch überwacht.
„Wir rechnen damit, dass wir maximal 10.000 Euro zusätzlich brauchen.“ In dieser Summe inkludiert sind unteranderem Transportwege, die medizinische Versorgung während der rund dreistündigen OP und die Zeit danach.
„Wenn alles gut läuft, der Körper die verpflanzte Haut angenommen hat, kann Sahja nach einer guten Woche wieder gesund nach Gaza zurückkehren.“



