Insbesondere bei Brustkrebserkrankungen ist die Rekonstruktion der weiblichen Brust von großer Bedeutung.
Selbst da in 80 Prozent aller Fälle Brust erhaltend operiert wird, hat die wiederherstellende Chirurgie einen großen Stellenwert.
Verschiedene Einflüsse – wie zum Beispiel ein im Verhältnis zur Brust zu großer Tumor – können dazu führen, dass das Ergebnis nach der Operation einer ästhetische Korrektur bedarf.
In einigen Fällen stellen die Entfernung der Brust oder der Neuaufbau eine sinnvollere Alternative dar, vor allem wenn dadurch das Risiko einer erneuten Brustkrebserkrankung reduziert werden kann.
Bei der Brustwiederherstellung kann die Brust einerseits durch Eigengewebe, andererseits mit Hilfe eines Implantats rekonstruiert werden.
Auch eine Kombination beider Methoden ist möglich.
Welches Verfahren zum Einsatz kommt hängt wesentlich von den Bedingungen ab, die nach der Entfernung des Tumors beziehungsweise nach der Brustamputation vom Arzt vorgefunden werden.
Nicht nur wiederherstellende Eingriffe nach Tumoren sind Aufgabengebiet der plastischen Chirurgie.
Angeborene Brustfehlbildungen (z. B. tubuläre Brustformen, Seitenasymmetrien) beeinflussen das körperliche wie seelische Wohlbefinden der Frau nachhaltig.
Im Gegensatz zu wiederherstellenden Eingriffen nach Brustkrebs sollte man in derartig gelagerten Fällen, die die weibliche Psyche stark negativ beeinflussen können, eher von „herstellender“ Brustchirurgie sprechen.
Nicht selten lässt eine störende Brustform den Wunsch nach einer Korrektur aufkommen.
Die häufigsten Abweichungen sind tubuläre Deformitäten (Snoopy Deformity), Schlauch- oder Rüsselbrust.
Hier ist der Bereich des Warzenhofs stark ausgeprägt, manchmal sogar „hängend“.
Das darunter liegende Brustgewebe meist wenig, manchmal gar nicht vorhanden.
Da es sich in diesen Fällen um einen (wie- der-)herstellenden Eingriff handelt, ist die Altersgrenze flexibler zu setzen als bei rein ästhetischen Eingriffen.
Oft sind diese Korrekturen durchaus bereits im Alter von 16 bis 18 sinnvoll, da sie vor allem die psychosoziale Entwicklung positiv beeinflussen.
Patientinnen berichten, dass oftmals erst nach einer Korrektur, das Tragen eines Bikinis oder das gemeinsame Duschen nach dem Turnunterricht ohne große Scham möglich ist.
Für die meisten Patientinnen gibt es vor einem operativen Eingriff keine passenden BHs, sodass das fehlende Volumen nicht selten durch Taschentücher oder ähnliches aufgefüllt wird.
Auch Brustasymmetrien können ein psychisch schwer belastendes Problem darstellen.
Freilich sind Brüste von Natur aus meist nicht gleich groß.
Oft ist aber der Unterschied optisch so offensichtlich, dass es ästhetisch oder funktionell störend ist – letzteres ist eher selten der Fall.
Asymmetrische Brüste müssen nicht immer angeboren sein.
So können Operationen am Brustkorb vor Beginn des Brustwachstums oder Verletzungen Asymmetrien verursachen.
Möglichkeiten der Korrektur: Die Verkleinerung der größeren Brust, die Vergrößerung einer oder beider Brüste (meist mit Brustimplantaten oder neu mit Injektionen wie Macrolane®), symmetrierende Eingriffe wie Bruststraffung, Brustneuformung oder Verkleinerung der Warzenhöfe.
Primäres Ziel der Korrektur: Die Optimierung von Größe, Form und Aussehen – wobei eine 100-prozentige Symmetrie selten erreicht werden kann.
Am einfachsten zu realisieren ist die gleiche Brustgröße, am schwierigsten die idente Brustform.
Eine weitere angeborene Brustfehlbildung ist die nicht entwickelte oder einfach zu kleine Brust (Mammahypoplasie) oder auch ein Amazonen- Syndrom.
Auch hier lässt sich durch eine einfache Brustvergrösserung eine deutlich fühl- wie sichtbare Verbesserung sowie auch ein gesteigertes Selbstwertgefühls erreichen.
Zur Abklärung im Vorfeld gehören Hormonstörungen oder chromosomale Veränderungen.
Das geschieht meist im Rahmen einer gynäkologischen Kontrolle vor der Operation.
Mit den derzeit verwendeten Silikonprothesen der neuesten Generation, die seit etwa sechs Jahren im Einsatz sind, kann das Risiko für die am meisten gefürchtete Langzeitkomplikation – die Abkapselung – drastisch minimiert werden.
Auch der Riss von Implantaten mit austretender Silikonmasse stellen damit kein Problem mehr dar.
Moderne Silikonprothesen bestehen nicht mehr aus Silikonöl, sondern aus festem Kohäsivsilikon-Gel.
Voraussetzung für ein zufriedenstellendes Ergebnis sind genaue Definierung des Behandlungszieles und realistische Erwartungshaltungen der Patientinnen.
Fachärzte für Plastische, Ästhetische und Wiederherstellende Chirurgie decken aufgrund ihrer langen und speziellen Ausbildung das gesamte chirurgische Spektrum der Brustchirurgie ab.
Gerade in Grenzfällen sollte sowohl fächerübergreifend über die Therapie und den idealen Zeitpunkt der Operation entschieden werden. Und natürlich mit viel Feingefühl für die Patientin in dieser sensiblen Situation.





